Gulden enthüllt revolutionäre Pläne für Adidas AG, ernennt Co-CEO

Von Simone Preuss

vor 28 Minuten

Business

Adidas Hauptsitz in Herzogenaurach. Bild: Adidas AG

Der Aufsichtsrat der Adidas AG hat den revolutionären Plan des Konzernchefs Björn Gulden zur Umstrukturierung des Unternehmens genehmigt. Die neue Initiative „Own the Reality“ ist der „ehrgeizigste Plan für soziale und ökologische Verantwortung, der jemals von einer großen Marke umgesetzt wurde“, so Adidas in einer Mitteilung vom Montagmorgen.

„Gemeinsam mit dem Vorstand sind wir dabei, die Struktur unseres Unternehmens von oben nach unten grundlegend umzugestalten, so dass die Führung nun auch von unten nach oben kommt“, kommentiert Gulden darin.

Gulden ist erst seit dem 1. Januar 2023 CEO des Konzerns und stieß vom Rivalen Puma wieder zur Adidas AG: Er war von 1992 bis 1999 bereits für den Bereich Bekleidung und Accessoires zuständig.

Ehemalige Bekleidungsarbeiterin wird Co-CEO

Adidas Co-CEO Vay Ya Nak Phoan. Bild: Adidas AG

Als ersten Schritt der Neuausrichtung wird sich Gulden seine Stelle mit der ehemaligen Bekleidungsarbeiterin und Gewerkschaftsführerin Vay Ya Nak Phoan aus Kambodscha teilen, die ab dem 16. Januar als Co-CEO fungieren wird. Sie soll an Guldens Seite die Einhaltung der Vorschriften in der Lieferkette überwachen und dafür sorgen, dass „Verbraucher:innen sicher sein können, dass Adidas-Produkte die ethischste Marke sind, die sie kaufen können“, so Adidas.

Phoan begann ihre Karriere als Bekleidungsarbeiterin in Kambodscha und wurde, entsetzt über die unsicheren Arbeitsbedingungen und den Lohndiebstahl, zur Gewerkschaftsverhandlerin und Journalistin. Sie ist bekannt für gewagte Undercover-Recherchen, die dazu beitrugen, dass mehr als ein Dutzend Skandale im Zusammenhang mit Mängeln in der Lieferkette aufgedeckt wurden, wie zum Beispiel den Einsatz uigurischer Sklavenarbeiter:innen in China und den Lohndiebstahl in großem Stil in Bekleidungsfabriken während der Pandemie.

Als erste gemeinsame Handlung werden Gulden und Phoan den „Own the Reality“-Plan am heutigen Montag, dem 16. Januar, mit der Unterzeichnung der Vereinbarung „Pay Your Workers“ einweihen, die Adidas bereits seit einiger Zeit dazu aufgefordert hatte. Diese ist eine verbindliche Verpflichtung zu fairen Arbeitspraktiken, Löhnen und Entschädigungen in der Lieferkette und wurde in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen ausgearbeitet. Sie soll sicherstellen, dass alle Beschäftigten die vollen Löhne und Abfindungen erhalten, die ihnen seit Beginn der Pandemie geschuldet werden.

Adidas richtet Fond zur garantierten Zahlung von Abfindungen ein

Außerdem soll ein Abfindungsgarantiefonds eingerichtet werden, der alle Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederarbeiter:innen in der weltweiten Beschaffungskette von Adidas abdeckt. Dieser Schritt ist überfällig, den in der Vergangenheit hatte Adidas durch Streitereien und Ausflüchte von sich reden gemacht, wenn es um die Zahlung von Abfindungen PT Kizone in Indonesien ging und deswegen sogar Sponsorenverträge verloren, unter anderem mit der Cornell University.

Entsprechend bezeichnet das Unternehmen eine sofortige Zahlung von 11,2 Millionen Euro an kambodschanische Arbeiter:innen, deren Löhne während der Pandemie von Zulieferbetrieben einbehalten wurden, als „Kurskorrektur“.

„Adidas wird sofortige und entschlossene Schritte unternehmen, um sicherzustellen, dass alle Arbeiter:innen, Gewerkschaftsmitglieder:innen und Gewerkschaftsführer:innen, die sowohl bei Trax Apparel in Kambodscha als auch in der Pou Chen Fabrik in Myanmar entlassen wurden, bei voller Lohnnachzahlung wieder eingestellt werden und dass ihre Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, höheren Löhnen und der Achtung ihrer Rechte unmissverständlich erfüllt werden“, heißt es von Adidas.

Zudem wird die Vereinbarung auch die Rechte der Arbeitnehmer:innen auf Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen schützen, die Adidas „als Grundrechte anerkennt hat, die alle anderen Rechte erst ermöglichen“.

Adidas unterzeichnet „Pay Your Workers“-Vereinbarung

Adidas-CEO Björn Gulden. Bild: Adidas AG

„Die Unterzeichnung der Vereinbarung ‘Pay Your Workers’ ist der erste von vielen Schritten auf dem Weg zu einem existenzsichernden Lohn für alle Bekleidungsarbeiter:innen bei Adidas. Meine unternehmerische Führung wird nun durch Vays Erfahrung in den Fabriken und ihr Wissen als Gewerkschaftsvorsitzende ergänzt“, sagt Gulden.

„Wir sind davon überzeugt, dass dies ein grundlegender Meilenstein ist, der allen Mitgliedern unserer Beschaffungskette sowie unseren Aktionär:innen und Kund:innen zugute kommen wird, die unsere Überzeugung teilen, dass steigende Renditen nicht im Widerspruch zu einem besseren Schutz der Menschenrechte stehen“, fügt Gulden hinzu.

Wie der einstige Fußball- und Handball-Profi Gulden ist auch Phoan sportbegeistert und eine Spitzensportlerin, die auf internationaler Ebene Sepak-Takraw (Kick-Volleyball) gespielt hat. Sie ist auch eine Bokator-Meisterin (was übersetzt soviel wie „einen Löwen schlagen“ bedeutet), da sie diese Khmer-Kampfkunst als junges Mädchen von ihrem Großvater gelernt hat, als sie sich vor den Roten Khmer versteckte.

„Ich weiß, was es heißt, für das Richtige zu kämpfen. Ich bin bereit, Adidas von einem Unternehmen mit guten Produkten zu einem Unternehmen zu machen, das auch Gutes tut“, erklärt Phoan.

Adidas’ Neuausrichtung und besonders die Ernennung von Vay Ya Nak Phoan setzen ein klares Zeichen dafür, dass der Konzern verstanden hat, dass es nicht ohne die schwächsten der Lieferkette geht - die Bekleidungsarbeiter:innen. Ohne Zweifel werden zukünftig alle Augen auf den Konzern gerichtet sein, um zu sehen, wie er mit der neuen Strategie fährt und im Erfolgsfall sicher Nachahmer finden. Adidas scheint aus früheren Fehlern gelernt zu haben und an einer ernsthaften Korrektur seines Kurses interessiert zu sein.

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