| Von der Torte
niedergestreckt: Dr. Bichlbauer |

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Internet Das Leben und Sterben des Dr.
Bichlbauer Von Peter
Schumacher 20.
April 2001 Ein Fake mit Folgen:
Dass eine gefälschte Webseite nicht nur im virtuellen Raum für
Verwirrung sorgen kann, hat eine Gruppe von Globalisierungsgegnern
im vergangenen Jahr in Österreich bewiesen.
Ausgangspunkt ist die Seite gatt.org, die auf den
ersten Blick eine offizielle Homepage der World Trade Organization
(WTO) zu sein scheint - zumindest für denjenigen, der sich nicht die
Mühe macht, die Texte zu lesen.
So erging es auch dem „Center
for International Legal Studies“ in Salzburg, die über den
Kontakt-Button eine E-Mail an den WTO-Direktor Mike Moore schickten,
um ihn als Redner zu einem Symposium nach Österreich einzuladen. Die
hochstaplerischen Globalisierungsgegner antworteten prompt: „Danke
für Ihre freundliche Einladung“, schrieb „Mike Moore“ und bedauerte,
dass er nicht persönlich kommen könne. Aber er wolle gerne einen
Stellvertreter schicken.
Italienische Arbeitsmoral
in der Kritik
Nun wird es ernst: Die
Globalisierungsgegner suchen sich für Moores Stellvertreter einen
Namen aus dem Wiener Telefonbuch: „Dr. Andreas Bichlbauer“ erscheint
im Oktober mit zwei Bodyguards und einem Kameramann auf der
Konferenz in Salzburg.
Vor internationalem Publikum
referiert „Dr. Bichlbauer“ zum Thema „Trade Regulation Relaxation
and Concepts of Incremental Improvement: Governing Perspectives from
1970 to Present“. Es geht um den Bananenhandel und die Faulheit der
Südländer. Vor allem seine These, die Italiener hätten eine
wesentlich schlechtere Arbeitsmoral als etwa die Niederländer, sorgt
bei einigen Teilnehmern für Verwirrung und Empörung.
Wer warf die Torte?
Die Organisatoren der
Konferenz schicken am folgenden Tag eine Mail an die vermeintliche
Sekretärin von WTO-Chef Moore, in dem sie um Klarstellung bitten:
Mehrere Delegierte, darunter auch Italiener, hätten Bedenken gegen
die Äußerungen des WTO-Sprechers angemeldet. Und ob es stimme, dass
Bichlbauer nach seiner Rede vor dem Hotel eine Torte ins Gesicht
gedrückt bekommen habe.
Die Geschichte eskaliert in
einem abstrusen Mailverkehr: Moores Sekretärin bestätigt den
hinterhältigen Tortenangriff und bittet die Teilnehmer um Hilfe bei
der Aufklärung. Bichlbauer bedauert, dass seine klaren Worte
offenbar missverstanden wurden. „Moore“ verteidigt die Aussagen
seines Vertreters Bichlbauer - auch wenn die Form der Präsentation
vielleicht verbesserungswürdig sei. Die österreichischen
Veranstalter bedauern, zur Aufklärung des Torten-Zwischenfalls
nichts beitragen zu könne. „Moores“ Sekretärin informiert die
Teilnehmer der Konferenz, dass „Dr. Bichlbauer“ leider erkrankt sei:
Die Torte sei mit einem Bazillus verseucht gewesen.
Viele der auf dem Symposium
versammelten Rechtsvertreter antworten und bedauern den Vorfall. Die
Rede von Dr. Bichlbauer jedoch könne nicht der Grund für den
Tortenangriff gewesen sein, sind sich die meisten einig.
„Bichlbauer“ segnet das
Zeitliche
Einen Monat später erreicht
die Rechtsexperten, die auf dem Symposium waren, die traurige
Mitteilung: „Dr. Bichlbauer“ sei leider verstorben. Erst jetzt
dämmert den Verantwortlichen der Konferenz, dass sie einem Scherz
aufgesessen sind: „Lassen Sie mich Ihnen und Ihren Kollegen
gratulieren zu dem gut durchdachten und gut ausgeführten Streich“,
geben sie sich verständnisvoll. „Wenn Sie Dr. Bichlbauer in Frieden
ruhen lassen, können Sie Ihre kreative Kapazität und Ihre
organisatorischen Fähigkeiten neuen Zielen
widmen.“
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