23.11.2009
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Wozu sagen die Yes Men "yes"? "Wir sagen Ja zu den Einladungen von großen Unternehmen, an weltweiten Konferenzen teilzunehmen", erklärt Andy Bichlbaum. Die harmlose Antwort des berühmt-berüchtigten Aktivisten verhehlt nicht nur, wie die Einladungen zustande kamen: durch Fakes!
Stand: 19.11.2009
Hinter der harmlosen Antwort verbirgt sich auch, wozu die Politaktivisten ihre Einladungen bei Exon, Halliburton, der Amerikanischen Regierung oder der BBC nutzen: Sie nutzen die Meetings und Interviews, um die Unternehmen bloß zu stellen oder ihnen zumindest klar zu machen, wo es lang gehen sollte.
Mit dem progressiven Präsidenten Barack Obama ist Jacques Servin alias Andy Bichlbaum zwar schon recht zufrieden. "Was
aber noch fehlt, sind die Leute auf der Straße, die Druck ausüben. Mike
Bonnano und ich versuchen zu einer allgemeinen Mobilisierung der
Amerikaner beizutragen", sagt der Politaktivist im Interview mit Christine Hamel.
Das ganze Interview hören Sie Sonntag, 22. November, 18.05 Uhr.
Der beste Coup der New Yorker Künstlerguppe Yes Men: die Aktion von Jacques Servin alias Andy Bichlbaum, der 2004 bei der BBC als "Jude Finisterra" auftritt, als Sprecher des Chemie-Riesen "Dow Chemical". Finisterra alias Bichlbaum hatte die Einladung zum Interview auf Grund einer von Yes Men gefälschten Website des Chemiemultis erhalten. Er nutzte seinen öffentlichen Auftritt vor der Kamera des Senders, um zu verkünden, dass Dow Chemical aus dem Anlass des 20. Jahrestages der Bhopal-Katastrophe bereit sei, zwölf Milliarden Dollar Schadensersatz an die Opfer zu zahlen.
Bildunterschrift: Giftgasopfer 1984 in Bhopal
Im Dezember 1984 entwichen im zentralindischen Bhopal aus der Pestizidfabrik Union Carbide, einer Tochterfirma von Dow Chemical, 42 Tonnen des tödlichen Gases Methylisozyanid.
Die grausame Bilanz dieses wohl größten Chemieunfalls der Welt
Mehr als 3.000 Menschen starben einen grausamen Giftgastod, Hunderttausende wurden verletzt.
Prompt brach der Aktienkurs von Dow Chemical um mehr als drei Prozent ein. Erst nachdem die Firma die Meldung dementiert hat, erholte er sich wieder. Den Opfern von Bhopal war dadurch zwar nicht geholfen. Aber die Aktion war ein brillantes Lehrstück über die Gesetze des Marktes und der Medien.
Hochstapelei für eine bessere Welt
Der bislang letzte große Streich der Kommunikations-Guerillas war die echt professionelle Fälschung der New York Times: Mehr als eine Million Exemplare verteilten Yes Men mit etlichen Helfern am 12. November 2008. Im Layout war das Blatt identisch mit der echten New Yorker Tageszeitung, aber der Inhalt kündete - vordatiert auf den 4.7. 2009 - von einer besseren, einer gerechteren Welt: vom Frieden im Irak, von einer Krankenversicherung für alle Amerikaner und einer rosigen Zukunft für Radfahrer in Manhattan.
Speziell für die privilegierte Klasse der Manager und Superreichen präsentierten Yes Men als angebliche Vertreter des Großkonzerns Halliburton aufgeblähte Ganzkörper-Schutz-Anzüge, gegen Klimakatastrophen und Terroranschläge. In diesem kugeligen, teletubbie-ähnlichen Outfit machten sie auch auf der Berlinale 2009 Reklame für den Dokumentarfilm über ihre spektakulären Aktionen: "The Yes Men fix the World".
Mike Bonanno and Andy Bichlbaum - beides Pseudonyme - haben sich 1999 zu der Künstler- und Aktivistengruppe Yes Men zusammengetan, die inzwischen viele Mitstreiter und Nachahmer gefunden hat. Ihre erste gemeinsame Aktion war eine gefälschte Webseite der WTO, durch die sie kurz darauf zu einer Einladung der Wirtschaftskonferenz in Salzburg kamen. Eine entlarvende Veranstaltung: Selbst als sie dort der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik das Wort redeten, rührte sich unter den führenden Köpfen der internationalen Wirtschaft kein Protest.
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